Ein neuer Zahn – Schritt für Schritt
Implantologie: Vom fehlenden Zahn bis zum festen Zahnersatz – Dr. Mirko Solderer beantwortet alle Fragen.
„Durch die genaueste Planung eines Implantates im Vorfeld am Computer verkürzt sich der eigentliche Eingriff beim Patienten in geübter Hand oft auf einige wenige Minuten.“
Dr. Mirko Solderer, MSc
Ein Zahn fehlt. Was nun? Ein Implantat ist eine Möglichkeit, die Zahnlücke dauerhaft zu schließen. Doch was passiert von der ersten Untersuchung bis zum neuen Zahn?
Dr. Mirko Solderer, MSc, Zahnarzt und Spezialist für Implantologie und Parodontologie in Bozen, Kurtatsch und Sterzing, führt Schritt für Schritt durch die Behandlung und beantwortet die Fragen, die sich Patienten stellen.
1. Der Zahnverlust
Ich habe mir bei einem Sturz einen Zahn ausgeschlagen. Muss ich ihn sofort ersetzen lassen oder kann oder muss ich zuwarten?
Wenn der Zahn tatsächlich nicht mehr gerettet werden kann, macht es Sinn, schnell zu handeln und ihn idealerweise durch ein Sofortimplantat zu ersetzen. Dieses kann meist auch gleich mit einer festsitzenden Krone versorgt werden. So ist die Ästhetik sofort wiederhergestellt und Sie können rasch in den Alltag zurückkehren.
2. Die Beratung
Was ist ein Implantat – und was ist der Unterschied zu einer Brücke?
Ein Implantat ist eine künstliche Zahnwurzel, die im Kieferknochen verankert wird. Darauf wird später der eigentliche Zahnersatz, bei einem einzelnen fehlenden Zahn meist eine Krone, befestigt. So sitzt der neue Zahn fest im Kiefer.
Bei einer Brücke dienen dagegen die Zähne rechts und links der Zahnlücke als sogenannte Pfeilerzähne, an denen der künstliche Zahn befestigt wird. Außerdem gibt es herausnehmbaren Zahnersatz, beispielsweise eine Teilprothese.
Welche Lösung ist für mich die richtige?
Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten. Wenn es um die Langlebigkeit geht, hat das Implantat statistisch die Nase vorne: Die Überlebensrate liegt nach zehn Jahren bei rund 95 Prozent.
Der große Nachteil einer herkömmlichen Brücke: Die Nachbarzähne müssen beschliffen werden, wodurch das Risiko steigt, dass diese Zähne langfristig Schaden nehmen oder absterben.
Gibt es Fälle, in denen ein Implantat nicht infrage kommt?
Es gibt einige wenige Faktoren, die den Implantaterfolg beträchtlich erschweren. Dazu gehören etwa Bestrahlungen im Kopf-Hals-Bereich, ein unkontrollierter Diabetes oder bestimmte medikamentöse Therapien.
In diesen Fällen spielt die Erfahrung des Implantologen eine große Rolle. Er muss das Risiko abwägen und gegebenenfalls bestimmte Vorkehrungen treffen.
3. Die Planung
Was wird vor dem Eingriff untersucht?
Vor einer Implantation sollte möglichst immer ein sogenanntes „Backward Planning“ gemacht werden. Das bedeutet: Man beginnt die Planung am Computer nicht beim Implantat, sondern beim späteren Zahn.
Zunächst wird der zu ersetzende Zahn simuliert und davon ausgehend die optimale Position des Implantats festgelegt. Dreidimensionale Röntgenbilder und spezielle Planungssoftware sind in der modernen Implantologie ein Muss, um den Eingriff im Vorfeld genau planen zu können.
Welche Implantate gibt es und worin unterscheiden sie sich?
In der modernen Implantologie haben sich schraubenförmige Implantate durchgesetzt. Diese Schrauben haben meist eine Innenverbindung, in die der spätere Zahnersatz eingeschraubt werden kann.
Als Material werden normalerweise eine Titanlegierung oder Zirkonoxidkeramik verwendet. Titan stellt dabei die Standardtherapie dar. Eine äußerst seltene Titanunverträglichkeit oder persönliche Präferenzen können für ein Keramikimplantat sprechen.
4. Der Eingriff
Wie wird das Implantat eingesetzt?
Das Implantat ist eine Schraube, die nach bestimmten Bohrungen langsam in den Kieferknochen eingedreht wird. Erfolgt die Implantation zeitgleich mit der Entfernung des Zahnes, spricht man von einem Sofortimplantat.
Wie läuft eine Sofortimplantation ab?
Eine Sofortimplantation erfolgt meist ohne Schnitte und damit so atraumatisch wie möglich. Der Patient profitiert davon, dass in einer einzigen Sitzung der kranke beziehungsweise hoffnungslose Zahn entfernt, gegebenenfalls eine Entzündung im Knochen gesäubert und anschließend sofort das Implantat in die Lücke gesetzt wird.
Häufig kann auch ein fester Zahn als Provisorium gleich auf das Implantat geschraubt werden.
Werde ich örtlich betäubt oder erfolgt der Eingriff in Vollnarkose?
In der Regel werden Implantate schmerzfrei unter Lokalanästhesie gesetzt. Bei aufwändigeren Eingriffen oder wenn viele Zähne in Verbindung mit Sofortimplantationen entfernt werden müssen, kann auch eine Sedierung oder Vollnarkose sinnvoll sein. Beides ist heute sehr schonend und risikoarm.
Wie lange dauert der Eingriff?
Durch die genaue Planung der Implantation mit moderner Software kann der Eingriff bereits im Vorfeld sehr genau simuliert werden. Dadurch verkürzt sich die eigentliche Implantation bei einem einzelnen Implantat in geübter Hand oft auf einige wenige Minuten.
Generalsanierungen, bei denen beispielsweise alle Zähne entfernt und durch Implantate ersetzt werden müssen, können dagegen mehrere Stunden dauern.
Was ist eine Generalsanierung?
Früher mussten Patienten, die keine Zähne mehr hatten oder deren schlechte Zähne entfernt werden mussten, oft sehr lange auf feste Zähne warten. Lange Einheilzeiten nach Knochenaufbauten oder Implantationen waren die Regel.
Heute ist es mit modernen Techniken meist möglich, diese Wartezeiten zu vermeiden: Die Implantation wird zeitgleich mit den Zahnextraktionen durchgeführt und der feste Zahnersatz oft noch am selben Tag aufgeschraubt. Die Patienten können also noch am selben Tag mit ihren neuen Zähnen kauen.
5. Nach dem Eingriff
Habe ich danach Schmerzen oder schwillt mein Gesicht an?
Das kommt darauf an, wie ausgedehnt der Eingriff ist. Bei Einzelimplantaten und einer minimalinvasiven Vorgehensweise treten meist gar keine Beschwerden oder Schwellungen auf.
Bei komplexeren Operationen empfiehlt es sich, das Operationsgebiet einige Tage zu kühlen und gegebenenfalls ein Schmerzmittel einzunehmen.
Kann ich am nächsten Tag wieder arbeiten oder Sport treiben?
Grundsätzlich kann man nach dem Setzen eines Einzelimplantats auch gleich wieder ins Büro gehen. Auf Sport sollte je nach Eingriff zwischen drei Tagen und maximal zwei Wochen verzichtet werden.
Wann kann ich wieder richtig essen?
Wenn die Lokalanästhesie nachlässt, also nach etwa drei bis vier Stunden, kann man wieder beginnen, weiche Nahrung zu kauen.
6. Die Einheilung
Wann ist das Implantat wirklich fest?
Das Implantat hält bereits beim Einbringen durch den Widerstand, den der ortsständige Knochen bietet. Dafür wird ein etwas schmaleres Loch gebohrt, um anschließend ein breiteres Implantat einzudrehen. Das nennt man Primärstabilität.
In den folgenden Wochen verwächst die Implantatoberfläche mit dem umliegenden Knochen – man spricht von Osseointegration. Nach sechs bis acht Wochen ist das Implantat in der Regel fest eingeheilt.
7. Der neue Zahn
Wann bekomme ich meinen neuen Zahn?
In den meisten Fällen kann unmittelbar nach dem Einsetzen des Implantats ein festsitzender provisorischer Zahn aufgeschraubt werden. So muss der Patient beziehungsweise die Patientin nicht mit einer sichtbaren Lücke warten, bis das Implantat vollständig eingeheilt ist.
Der definitive Zahnersatz wird meist nach rund acht Wochen hergestellt.
Wie wird dieser Zahn hergestellt?
Der Goldstandard für einen Einzelzahn auf einem Implantat ist eine direkt verschraubte Krone aus Zirkonoxid, also Keramik. Sie wird individuell an die natürlichen Zähne angepasst.
8. Im Alltag
Wie fühlt sich ein Implantat im Mund an?
Üblicherweise fügt sich ein Implantat direkt in das Restgebiss ein. Allerdings ist die sogenannte Propriozeption – die Wahrnehmung von Druck und Belastung – bei einem Implantat deutlich geringer als bei einem natürlichen Zahn.
Kann ich genauso zubeißen wie mit einem echten Zahn – auch in ein Stück Schüttelbrot?
Ja. Nach abgeschlossener Einheilung und entsprechender Versorgung kann man mit einem Implantat ganz normal zubeißen und kauen.
Kann sich der künstliche Zahn lösen?
Ein eingeheiltes Implantat sitzt im Normalfall sogar fester als ein natürlicher Zahn. Der darauf befestigte künstliche Zahn ist ebenfalls fest mit dem Implantat verbunden und lässt sich in der Regel weder lösen noch herausnehmen.
9. Die Nachsorge
Wie lange halten das Implantat und der künstliche Zahn?
Studien zeigen Überlebensraten von mehr als 95 Prozent nach zehn Jahren und rund 90 Prozent nach 20 Jahren.
Entscheidend für den langfristigen Erfolg sind unter anderem regelmäßige Kontrollen sowie die Mundhygiene – sowohl die tägliche häusliche Pflege als auch die professionelle Mundhygiene in der Zahnarztpraxis.
Was kann bei mangelhafter Mundhygiene mit einem Implantat passieren?
Das Gewebe rund um das Implantat kann sich entzünden. Man spricht dann von einer Periimplantitis. Im Extremfall kann sie zum Abbau des umliegenden Knochens und damit zum Verlust des Implantats führen.
Wird die Erkrankung frühzeitig erkannt, gibt es Möglichkeiten, diesen Vorgang zu stoppen. Deshalb ist es wichtig, Mundhygiene- und Kontrolltermine einzuhalten und das Implantat regelmäßig überprüfen zu lassen.
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